Pressebericht Badische Zeitung – Narrenmesse 2019

Eine Kirche voller Narren

Von Bianca Flier

Eine Büttenpredigt in Reimen und eine Beatboxing-Performance von Pfarrer Maier, bunte Kostüme und Gesang bot die Narrenmesse in der Neuenburger Liebfrauenkirche.

Eine Kirche voller Narren in Häs und bunten Kostümen – die Neuenburger Narrenmesse bot Gotteslob und frohe Stimmung. Foto: Bianca Flier

 

NEUENBURG AM RHEIN. Eine Kirche voller Narren – dieses Bild bot die Liebfrauenkirche bei der traditionellen Narrenmesse am Fastnachtssonntag. Pünktlich um 10.59 Uhr zogen Pfarrer Dieter Maier, die Stadtmusik Neuenburg und der Narresome-Kinderchor feierlich in das Gotteshaus ein, angeführt vom Fahnenträger der Rhiischnooge. Die bunt kostümierte Gemeinde klatschte begeistert zu den Klängen des Narrenmarsches.

Mit dem Neuenburger Narrengruß „Schnoog, schnoog“ begrüßte Pfarrer Maier seine Schäflein, was mit einem donnernden „Quak, quak“ erwidert wurde. Seinen rituellen Habitus hatte der Pfarrer passend zum Anlass mit einer närrische Fliege aufgepeppt. Doch bevor der Gottesdienst richtig losgehen konnte, traten zwei Närrinnen als „Vermessungsbeamte“ auf. Sie monierten, die Kirche sei ja viel zu groß angesichts der Tatsache, dass oftmals viele Bänke beim Gottesdienst leer blieben. Dem konnte Pfarrer Maier allerdings entgegenhalten, dass zumindest bei der Narrenmesse auch noch der letzte Platz besetzt war.

Anstatt der üblichen Sonntagansprache präsentierte Pfarrer Maier eine Büttenpredigt in gepfefferten Reimen. Schonungslos, doch mit Humor, prangerte er da so manchen Missstand in Kirche und Gesellschaft an. Ob Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Unterschlagungs-Skandale, Priestermangel, Zölibatsdebatte oder finanzielle Engpässe – nichts von aktueller Bedeutung wurde ausgelassen. Auch die Tatsache, dass die vielen Dekanatstermine und die wichtige Seelsorge nicht immer vereinbar wären, kam aufs Tapet. Doch spendete der Redner auch großzügig Lob, zum Beispiel für die engagierte Arbeit der Vereine und das Wirken des Kirchengemeinde- und Stiftungsrats. Ein ganz besonderes Lob ging an die unersetzliche Organistin, Kirchen- und Kinderchorleiterin Elfriede Hüttlin.

Für seine Narrenpredigt erhielt Pfarrer Maier Standing Ovations, denn er sprach den Menschen aus der Seele, als er verlangte, dem Missbrauch müsse sofort ein Ende gemacht werden, und in den Raum stellte, dass Priester vielleicht sogar heiraten dürften. Man solle seine Predigt zwar „nicht so ernst nehmen“, meinte Maier zum Schluss, doch seine Narrenspiegel-Reime erreichten die Herzen. Dazu trug sicher auch die freudestrahlende Art bei, mit der der Pfarrer nicht nur die Predigt, sondern die gesamt Liturgie gestaltete.

Der Narre-Some-Chor der Kinder und ein Ensemble des Kirchenchors – selbstverständlich im Narrenkostüm – bereicherten die außergewöhnliche Messe mit wunderbaren Darbietungen. Und auch Pfarrer Maier, der selbst Trompete und Klarinette spielt, lieferte einen musikalischen Beitrag und bot mit Mund und Hand eine perfekte „Beatboxing“-Performance.

Es war eine Heilige Messe voll froher Stimmung, die trotz des närrischen Tenors das Gotteslob in den Mittelpunkt stellte. Dazu passte auch, dass vor dem Altar eine Reihe der kunstvoll gearbeiteten, traditionellen Masken der Neuenburger Fastnacht abgelegt waren. Ein hinreißendes Bild! Und man konnte sich dem Wunsch von Pfarrer Maier anschließen, dass es schön wäre, wenn nicht nur zu Weihnachten, Ostern und zur Narrenmesse die Kirche voll sei.

Die gesamte Messe und auch die Gabenbereitung und die Eucharistie waren begleitet vom feinen Klingen der vielen Glöckchen, die zu den Häs gehören.

Beim Auszug drehten Pfarrer Maier, die Stadtmusik und die beiden Chöre zur Freude der närrischen Gemeinde noch eine Ehrenrunde.

Fazit: Närrischer Frohmut und Gottesglaube bilden keinen Gegensatz. Der liebe Gott und seine Bodenmannschaft haben auch Humor, wie diese großartige Narrenmesse bewiesen hat.

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